{"id":10783,"date":"2026-05-31T07:32:55","date_gmt":"2026-05-31T06:32:55","guid":{"rendered":"https:\/\/braintank.ch\/?p=10783"},"modified":"2026-05-31T07:32:58","modified_gmt":"2026-05-31T06:32:58","slug":"wenn-alle-wissen-dass-es-sinkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/braintank.ch\/?p=10783","title":{"rendered":"Wenn alle wissen, dass es sinkt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe das Wrack der Vasa vor einigen Jahren besucht. Es ist das am besten erhaltene Schiff aus dem 17. Jahrhundert: riesig, dunkel, pr\u00e4chtig und fast vollst\u00e4ndig erhalten, nachdem es mehr als 300 Jahre auf dem Meeresgrund gelegen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich stand im <a href=\"https:\/\/www.vasamuseet.se\/de\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.vasamuseet.se\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Museum in Stockholm<\/a> vor diesem gewaltigen Schiff und fragte mich, wie viele der Menschen, die an seinem Bau beteiligt waren, wohl wussten, dass es sinken w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vasa ist nicht nur eine Geschichte \u00fcber schlechtes Schiffsdesign. Sie ist eine Geschichte dar\u00fcber, was passiert, wenn Organisationen schlechte Nachrichten nicht h\u00f6ren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was geschah<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 10. August 1628 lief die Vasa als neuestes und teuerstes Schiff der schwedischen Marine zu ihrer Jungfernfahrt aus dem Stockholmer Hafen aus. Im Auftrag von K\u00f6nig Gustav Adolf war sie mit kunstvollen Schnitzereien, hohen Masten und 64 Bronzekanonen ausgestattet. Sie sollte ein sichtbares Zeichen schwedischer Seemacht sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter den Menschenmassen, die den Stapellauf beobachteten, befanden sich auch ausl\u00e4ndische Botschafter. In Wirklichkeit waren viele von ihnen Beobachter und Informanten, die \u00fcber die neue schwedische Kriegsmaschine berichten sollten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was sie sahen, war eine Katastrophe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem die Vasa etwa 1\u2019300 Meter zur\u00fcckgelegt hatte und noch in Sichtweite des K\u00f6nigspalasts war, erfasste eine Windb\u00f6e ihre Segel. Das Schiff kr\u00e4ngte stark nach Backbord. Wasser str\u00f6mte durch die offenen Kanonenpforten. Innerhalb weniger Minuten sank die Vasa auf den Grund des Hafens. Rund ein Drittel der Besatzung kam ums Leben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Windst\u00e4rke, die sie zum Sinken brachte, wurde sp\u00e4ter auf etwa acht Knoten gesch\u00e4tzt. Das ist kein Sturm. Sp\u00e4tere Berechnungen deuten darauf hin, dass die Vasa m\u00f6glicherweise schon bei einer leichten Brise von vier Knoten gekentert w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der \u00fcberlebende Kapit\u00e4n wurde am n\u00e4chsten Morgen ins Gef\u00e4ngnis geworfen. Eine offizielle Untersuchung wurde eingeleitet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"This ship was so unstable it&amp;apos;s capsizing again\u2026 in a museum.\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/qQKHKWd9Qvw?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><br><br>Scope Creep und Produktionsdruck<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vasa sank nicht wegen eines einzelnen Fehlers. Sie sank wegen vieler Entscheidungen, die einzeln erkl\u00e4rbar waren und zusammen ein instabiles System ergaben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Schiff war urspr\u00fcnglich kleiner geplant. Im Januar 1625 hatte der K\u00f6nig vier Schiffe in Auftrag gegeben: zwei kleinere und zwei gr\u00f6ssere. Nachdem die schwedische Marine im Herbst desselben Jahres zehn Schiffe in einem Sturm verloren hatte, erh\u00f6hte sich der Druck. Die kleineren Schiffe sollten zuerst und schneller gebaut werden. Der Kiel der Vasa wurde Anfang 1626 als vergleichsweise bescheidenes Schiff gelegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann \u00e4nderte sich der Auftrag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der K\u00f6nig erfuhr, dass D\u00e4nemark ein grosses Kriegsschiff mit zwei geschlossenen Kanonendecks baute. So etwas hatte zuvor kein schwedischer Schiffbauer versucht. Trotzdem ordnete der K\u00f6nig an, die Vasa entsprechend zu vergr\u00f6ssern. Der bereits gelegte Kiel wurde verl\u00e4ngert, der Rumpf verbreitert, aber nur in den oberen Abschnitten, weil die grundlegende Struktur bereits feststand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr diese \u00c4nderungen gab es keine formellen Spezifikationen. Der leitende Schiffbauer Henrik Hybertsson hatte noch nie ein Schiff mit zwei Gesch\u00fctzdecks gebaut. Zudem gab es damals keine verl\u00e4sslichen Methoden, um Schwerpunkt und Stabilit\u00e4t eines Schiffes rechnerisch zu bestimmen. Man fand heraus, wie ein Schiff segelte, indem man es segelte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hybertsson erkrankte 1626 schwer und starb 1627. Sein Assistent Hein Jacobsson musste das Projekt zu Ende f\u00fchren. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten rund 400 Menschen in mehreren Teams am Schiff, offenbar ohne ausreichende Abstimmung. Die Bewaffnung \u00e4nderte sich mehrfach. Am Ende wurden schwere 24-Pfund-Kanonen auf ein Oberdeck gepackt, das urspr\u00fcnglich f\u00fcr leichtere Kanonen vorgesehen war. Die prachtvollen Eichenholzschnitzereien des K\u00f6nigs f\u00fcgten oberhalb der Wasserlinie zus\u00e4tzliches Gewicht hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sp\u00e4ter stellte sich heraus, dass die Bauteams sogar unterschiedliche Lineale verwendet hatten: einige mit schwedischem Fuss, andere mit Amsterdamer Fuss. Die daraus entstehende Asymmetrie machte die Vasa auf einer Seite schwerer als auf der anderen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Metapher ist das fast zu perfekt: mehrere Teams, ein gemeinsames Ziel, aber kein gemeinsamer Standard.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der ignorierte Stabilit\u00e4tstest<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders eindr\u00fccklich ist, dass die Instabilit\u00e4t der Vasa nicht verborgen blieb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurz vor der Jungfernfahrt wurde vor Admiral Fleming und dem Kapit\u00e4n ein Stabilit\u00e4tstest durchgef\u00fchrt. Dreissig M\u00e4nner rannten auf dem Oberdeck hin und her. Nach nur drei Durchg\u00e4ngen wurde der Test abgebrochen, weil das Schiff so stark schwankte, dass man bef\u00fcrchtete, es k\u00f6nne bereits im Hafen kentern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem war also sichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber es gab keine gute L\u00f6sung mehr. Im Laderaum war kaum Platz f\u00fcr zus\u00e4tzlichen Ballast. H\u00e4tte man trotzdem mehr Ballast hinzugef\u00fcgt, w\u00e4ren die unteren Kanonenpforten gef\u00e4hrlich nahe an oder unter die Wasserlinie geraten. Das Schiff war zu diesem Zeitpunkt strukturell kaum noch zu retten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und doch fand der Stapellauf statt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Schiffszimmermann und der Schiffbauer waren beim Stabilit\u00e4tstest nicht anwesend und wurden offenbar nie \u00fcber das Ergebnis informiert. Der Bootsmann Matsson \u00e4usserte Bedenken wegen des Ballasts. Admiral Fleming soll ihn beruhigt haben: Der Schiffbauer habe schon zuvor Schiffe gebaut, er solle sich keine Sorgen machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Matssons Antwort wurde sp\u00e4ter in der Untersuchung festgehalten:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gott gebe, dass das Schiff aufrecht auf seinem Kiel steht.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fleming selbst soll nach dem fehlgeschlagenen Test gesagt haben:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn nur der K\u00f6nig hier w\u00e4re.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Satz zeigt die Zwickm\u00fchle. Der K\u00f6nig hatte angeordnet, dass die Vasa bis zum 25. Juli fertig sein sollte. Die Jungfernfahrt am 10. August war bereits versp\u00e4tet. Den Stapellauf abzusagen, h\u00e4tte das Missfallen des K\u00f6nigs bedeutet. Also entschied man sich gegen den sicheren Konflikt und f\u00fcr das m\u00f6gliche Risiko.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In modernen Organisationen sieht ein solcher Stabilit\u00e4tstest selten aus wie dreissig M\u00e4nner auf einem Schiffsdeck. Er sieht aus wie ein roter Architektur-Review, ein ignorierter Security-Hinweis, ein skeptisches Delivery-Team oder ein Projektstatus, den niemand glauben sollte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Machtwort des K\u00f6nigs<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Darstellung des Vasa-Museums heisst es sinngem\u00e4ss: Es war selten eine gute Idee, den K\u00f6nig zu entt\u00e4uschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das klingt harmlos, trifft aber den Kern. Wenn wir heute \u00fcber Machtgef\u00e4lle in Organisationen sprechen, meinen wir oft die Distanz zwischen Mitarbeitenden an der Basis und dem Management. Bei der Vasa war dieses Gef\u00e4lle existenzieller. Sich 1628 gegen einen K\u00f6nig zu stellen, war kaum vorstellbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und doch ist die Dynamik bis heute erkennbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lars Axelsson formulierte es treffend:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Problem, das bei dem bleibt, der es entdeckt, ist ein Problem, das unbekannt bleibt.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Probleme der Vasa waren bekannt: dem Bootsmann, den M\u00e4nnern beim Stabilit\u00e4tstest und vermutlich auch Jacobsson, der die Proportionen des Schiffes misstrauisch beobachtete. Was fehlte, war ein wirksamer Weg nach oben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jede Ebene der Hierarchie hatte mehr Gr\u00fcnde, Bedenken abzuschw\u00e4chen oder nicht weiterzuleiten, als sie klar zu eskalieren. So erreichten die Informationen, die die Katastrophe h\u00e4tten verhindern k\u00f6nnen, nie jemanden, der die Macht und den Willen hatte, darauf zu reagieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die offizielle Untersuchung im September 1628 fand niemanden, dem die Schuld eindeutig zugeschrieben werden konnte. Der K\u00f6nig hatte Pl\u00e4ne und Bewaffnung genehmigt. Der urspr\u00fcngliche Schiffbauer war tot. Der Admiral hatte einen Stabilit\u00e4tstest gesehen und das Schiff dennoch auslaufen lassen. Die Verantwortung war so verteilt, dass keine einzelne Entscheidung allein wie die fatale aussah.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch das ist ein Muster, das wir aus heutigen Organisationen kennen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Vasa-Syndrom<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Vasa-Syndrom ist ein Organisationsmuster, bei dem Machtgef\u00e4lle, Produktionsdruck und fehlende psychologische Sicherheit verhindern, dass unrealistische Anforderungen rechtzeitig infrage gestellt werden. Typische Anzeichen sind:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>unklare oder sich st\u00e4ndig \u00e4ndernde <a href=\"https:\/\/braintank.ch\/?p=6053\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/braintank.ch\/?p=6053\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ziele<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>\u00fcberm\u00e4ssiger Fokus auf Geschwindigkeit<\/li>\n\n\n\n<li>versagende <a href=\"https:\/\/braintank.ch\/?p=9803\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/braintank.ch\/?p=9803\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Feedback-Systeme<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Kommunikationsbarrieren<\/li>\n\n\n\n<li>wenig <a href=\"https:\/\/braintank.ch\/?p=9590\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/braintank.ch\/?p=9590\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">psychologische Sicherheit<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>mangelndes organisatorisches Ged\u00e4chtnis<\/li>\n\n\n\n<li>Einmischung der F\u00fchrung ohne ausreichendes Verst\u00e4ndnis der Folgen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend ist dabei nicht, dass niemand etwas weiss. Entscheidend ist, dass das Wissen dort stecken bleibt, wo es entsteht. Macht erzeugt Druck. Druck erzeugt Besch\u00f6nigung. Besch\u00f6nigung verhindert Lernen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Nach der Katastrophe<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt einen Nachsatz zu dieser Geschichte, der fast so interessant ist wie die Katastrophe selbst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hein Jacobsson, der die Vasa nach Hybertssons Tod fertigstellte, hatte offenbar schon vor dem Stapellauf Zweifel an ihren Proportionen. Als er 1629 den Auftrag erhielt, das Schwesterschiff \u00c4pplet zu bauen, machte er es einen Meter breiter. Die \u00c4pplet war anschliessend rund 30 Jahre lang in der schwedischen Marine im Einsatz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lehre daraus ist nicht, dass die Erbauer nicht lernen konnten. Sie konnten es. Die Lehre ist, was n\u00f6tig war, damit dieses Lernen stattfinden durfte: eine \u00f6ffentliche, vermeidbare Katastrophe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jacobsson wusste vermutlich bereits vorher, was ge\u00e4ndert werden musste. Er hatte sich nur nicht in der Lage gef\u00fchlt, dies mit ausreichender Autorit\u00e4t durchzusetzen. Erst als das Scheitern gross und sichtbar genug war, wurde eine andere Vorgehensweise m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist ein hoher Preis f\u00fcr eine Lektion, die die Organisation eigentlich schon kannte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wenn Projekte wie Vorf\u00fchrschiffe gebaut werden<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als ich im Museum vor der Vasa stand, beeindruckte mich, wie pr\u00e4chtig und gleichzeitig seeunt\u00fcchtig sie wirkte. Reihen von Kanonen, schwere Aufbauten, prunkvolle Schnitzereien, alles offenbar viel zu hoch und viel zu nah an der Wasserlinie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie sieht aus wie ein Vorf\u00fchrschiff: gebaut, um Macht zu demonstrieren, nicht um sicher zu funktionieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau darin liegt die moderne Parallele. Auch heutige Projekte k\u00f6nnen beeindruckend aussehen und trotzdem instabil sein. Sie haben grosse Ziele, starke Sponsoren, ambitionierte Pl\u00e4ne, sch\u00f6ne Statusberichte und gr\u00fcne Ampeln. Gleichzeitig wissen die Menschen nahe an der Arbeit l\u00e4ngst, wo die Risiken liegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Projekte werden auf Gr\u00fcn gedreht, damit f\u00fcr die F\u00fchrung alles nach Plan aussieht.Diejenigen an der Front kennen die tats\u00e4chlichen Probleme, aber die Kosten, schlechte Nachrichten nach oben zu tragen, erscheinen h\u00f6her als die Kosten, sie stillschweigend hinzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Psychologische Sicherheit ist deshalb kein weiches Kulturthema. Sie ist eine strukturelle Voraussetzung daf\u00fcr, dass kritisches Wissen nach oben gelangen kann, bevor es zu sp\u00e4t ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fragen f\u00fcr heutige Steering Committees: <\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Wer darf ein Projekt stoppen, ohne daf\u00fcr bestraft zu werden?<\/li>\n\n\n\n<li>Wo werden Risiken besch\u00f6nigt, weil schlechte Nachrichten politisch teuer sind?<\/li>\n\n\n\n<li>Welche Tests w\u00fcrden wir ernst nehmen, wenn sie heute scheitern?<\/li>\n\n\n\n<li>Welche Informationen bleiben dort stecken, wo sie entstehen?<\/li>\n\n\n\n<li>Wo bauen wir gerade ein Vorf\u00fchrschiff statt ein funktionierendes System?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gab viele Ursachen f\u00fcr den Untergang der Vasa: wechselnde Entw\u00fcrfe, unterschiedliche Masssysteme, zu schwere Kanonen, ein unm\u00f6glicher Zeitplan. Aber letztlich sank die Vasa, weil die Menschen, die wussten, dass sie sinken k\u00f6nnte, sich nicht in der Lage f\u00fchlten, dies denjenigen zu sagen, die etwas dagegen h\u00e4tten tun k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe das Wrack der Vasa vor einigen Jahren besucht. Es ist das am besten erhaltene Schiff aus dem 17. Jahrhundert: riesig, dunkel, pr\u00e4chtig und fast vollst\u00e4ndig erhalten, nachdem es mehr als 300 Jahre auf dem Meeresgrund gelegen hatte. 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