{"id":411,"date":"2008-02-29T21:26:12","date_gmt":"2008-02-29T20:26:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.braintank.ch\/wp\/?p=411"},"modified":"2008-02-27T21:28:12","modified_gmt":"2008-02-27T20:28:12","slug":"das-wort-zum-sonntag-farginen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/braintank.ch\/?p=411","title":{"rendered":"Das Wort zum Sonntag: Farginen"},"content":{"rendered":"<p>Gefunden habe ich dieses Wort in der <a href=\"http:\/\/www.nzzfolio.ch\/www\/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470\/showarticle\/1ecb91ce-68ad-4402-ab01-809831325e0a.aspx\" target=\"_blank\">Monatsbeilage der NZZ, im Folio<\/a>, das einem viele interessante Einblicke in das j\u00fcdische Leben verschaft. Wie schon berichtet, gef\u00e4llt mir auch die <a href=\"http:\/\/www.braintank.ch\/wp\/?p=380\">Klezmer<\/a> Musik, dort kommen jiddische Worte auch vor. Mir hat es das Wort von <strong>Nathan Englander,<\/strong> angetan. Die Idee jiddische Worte im Englischen zu Benutzen hatte ich noch nie.<\/p>\n<p><strong>Farginen<\/strong> \u00fcbersetzt sich im Englischen am Besten in &#171;to wish well&#187; jemanden zu begl\u00fcckw\u00fcnschen; &#171;to not envy&#187;, jemanden nicht zu beneiden;                             to indulge jemandem etwas g\u00f6nnen; to afford, jemandem etwas zugestehen.<\/p>\n<p>Ich mag jiddische W\u00f6rter mit einem stichfesten englischen Synonym, einem Synonym aber, das dennoch nicht taugt und dich zwingt, das jiddische Wort in deinen Satz einzubauen. Das ist oft der Fall. Das ist so oft der Fall, dass die englisch-jiddischen Mischs\u00e4tze eine eigene Sprache ausmachen \u2013 eine Sprache, die wir Yinglish nennen. Das beste Beispiel f\u00fcr ein solches Wort, das trotz englischer Entsprechung nach seiner jiddischen Variante verlangt, ist farginen. Laut dem W\u00f6rterbuch bedeutet es \u00abwish well\u00bb (begl\u00fcckw\u00fcnschen), \u00abnot envy\u00bb (nicht beneiden), \u00abindulge\u00bb (g\u00f6nnen, zugestehen). Aber das wird dem Wort nicht gerecht. In meiner Familie benutzen wir farginen nie affirmativ, nie nicht-negiert: Immer wird \u00abcan\u2019t\u00bb (kann nicht) davorgesetzt, um ein Fehlen von farginen, die Unm\u00f6glichkeit von farginen anzuzeigen.<\/p>\n<p>Nehmen wir an, Sie werden in Ihrem Job bef\u00f6rdert. Zu Recht bef\u00f6rdert. Vielleicht gibt es einen Freund, der sich f\u00fcr Sie freuen m\u00fcsste, es aber einfach nicht schafft. Er gibt seinen Neid nicht zu, und Pech w\u00fcnscht er Ihnen auch nicht. Aber irgendwie, in einem dunklen Winkel seiner Seele, kann er Ihnen Ihr Gl\u00fcck nicht g\u00f6nnen. Das ist kein schlichter Neid, sondern, in den Kategorien meiner Familie gedacht, noch schlimmer: ein Anzeichen f\u00fcr einen kleinlichen Charakter.<\/p>\n<p>Jetzt stellen Sie sich vor, Sie h\u00e4tten meine Familie am Telefon, die Ihnen \u00abmazel tov\u00bb (\u00abViel Gl\u00fcck\u00bb) zu jener grossartigen Bef\u00f6rderung w\u00fcnschen will. Sie erw\u00e4hnen besagten Freund, der Sie nicht begl\u00fcckw\u00fcnschen, Sie nicht nicht-beneiden kann. Das ist genau der Moment, in dem meine Familie sagen w\u00fcrde: \u00abHe just can\u2019t farginen you.\u00bb Und Gnade Gott, wem dieses Urteil gesprochen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gefunden habe ich dieses Wort in der Monatsbeilage der NZZ, im Folio, das einem viele interessante Einblicke in das j\u00fcdische Leben verschaft. Wie schon berichtet, gef\u00e4llt mir auch die Klezmer Musik, dort kommen jiddische Worte auch vor. Mir hat es das Wort von Nathan Englander, angetan. 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