„Alte weisse Männer“ – früher Sinnbild für Erfahrung und Autorität, heute Synonym für Dominanz, Belehrung und den Anspruch, immer recht zu haben. Es geht längst nicht mehr nur um Alter, Hautfarbe und Geschlecht, sondern um ein Verhalten, das Gespräche erstickt.
Ein besonders sichtbarer Ausdruck dieses Musters ist das sogenannte Mansplaining – wenn Männer Frauen (oder anderen) Dinge erklären, die diese längst wissen und dies oft in herablassendem Ton. Ob im Sitzungen, im Alltag oder online: Mansplaining ist ein Ausdruck von Macht und Unsicherheit zugleich.
Was Mansplaining ist – und was es mit Macht zu tun hat
Mansplaining ist kein banaler Fauxpas, sondern ein strukturelles Muster:
- Ungleichheit: Männer als „Experten“, Frauen als „Schülerinnen“.
- Respektlosigkeit: Kompetenz des Gegenübers wird ignoriert.
- Machtausübung: Kontrolle nicht über Inhalte, sondern über das Gespräch.
Warum „alte weisse Männer“ polarisieren
Die Figur provoziert – und soll das auch. Sie macht sichtbar, dass Privilegien mit bestimmten Gruppen verbunden werden. Aber klar ist: Mansplaining ist keine Frage von Alter oder Hautfarbe. Auch junge Männer (und manchmal Frauen) können sich so verhalten. Entscheidend ist die Haltung.
Als „alter weisser Mann“ weiss ich: Oft passiert Mansplaining unbewusst. Gerade deshalb ist Reflexion nötig.
Was wir tun können, um Mansplaining zu vermeiden
- Selbstreflexion üben
Männer können sich fragen:- Muss ich das wirklich erklären – oder weiss mein Gegenüber das längst?
- Spreche ich, um zu helfen, oder um mich zu profilieren?
- Aktiv zuhören
Gespräche sind keine Bühnenmonologe. Wer wirklich zuhört, erfährt oft mehr, als er glaubt schon zu wissen. - Raum geben
Statt selbst zu reden: andere ausreden lassen, gezielt nachfragen, Beiträge anerkennen. - Feedback annehmen
Wenn jemand sagt: „Das war gerade mansplaining“, nicht abwehren („So war’s doch nicht gemeint!“), sondern reflektieren: Könnte da etwas dran sein? - Als Beobachter eingreifen
Wer Mansplaining bemerkt, kann dezent unterstützen: „Ich glaube, sie wollte gerade ihren Gedanken noch ausführen“ oder „Das hat sieeben schon erklärt.“
Was Organisationen tun können
- Sensibilisierungstrainings: Workshops zu unbewussten Vorurteilen und Kommunikationsmustern.
- Moderation in Meetings: Achten darauf, dass alle zu Wort kommen – und nicht einzelne dominieren.
- Richtlinien für respektvolle Kommunikation: Klare Erwartungen an Sprache und Verhalten im Unternehmen.
Fazit: Von Machtmonologen zu Dialogen
Mansplaining ist ein Symptom tiefer Strukturen: Privilegien, die ungleich verteilt sind, und Gewohnheiten, die selten hinterfragt werden. Veränderung gelingt, wenn Männer reflektieren, Frauen ihre Stimme erheben und Organisationen echte Dialogkultur fördern.
Denn entscheidend ist nicht, wer erklärt – sondern wie wir miteinander reden. Und als „alter weisser Mann“, will ich da mit gutem Beispiel voran gehen.