Gerade war wieder Halloween. Und dieses Jahr sind mir einige Analogien zum „täglichen Wahnsinn“ im Büro begegnet. Maskierte (Kinder) kommen vorbei und rufen „Süsses oder Saures“. Im Geschäftsalltag passiert genau das auch, wir nennen es „Führungskultur“.
Dieses Video der Arbeiterkammer Österreich zeigt, worum es geht:
Die Masken des Alltags für die Bühne
Jeden Tag werden Masken für die Oper aufgesetzt:
- Die „Alles-ist-gut“-Maske, um nicht gestört zu werden.
- Die „Wir-haben-alles-im-Griff“-Maske, um sich keine Blösse im Projekt zu geben.
- Das „Ja-Chef“-Kostüm, um Karriereaussichten zu retten.
- Oder das beliebte „Ich-bin-völlig-überzeugt-von-diesem-Change“-Outfit und selbst dann, wenn wir innerlich längst ausgestiegen sind.
Was wir nicht suchen, sind Menschen ohne Maske. Menschen, die Fragen stellen. Menschen, die naiv genug sind, ehrlich zu sein. Wer zu offen ist, bekommt gerne eine „Spezialaufgabe“ — so lange, bis sie sicher scheitert.
Süsses oder Saures vom Chef
Sie kennen sicher die „Trick or Treat“-Methode: Wer brav nickt, bekommt Süsses. Wer nicht auf Linie ist, bekommt Saures. Man erkennt das aber nur, wenn man zwischen den Zeilen liest.
Offiziell hört man Buzzwords wie Agilität, Transformation, Purpose. Doch Kultur ist das, was passiert, wenn die Führung den Raum verlässt, genau dort wird es schwierig. Im mittleren Management herrscht dann eine stille Müdigkeit. Eine tiefe Erschöpfung eines Systems, das sich selbst nicht mehr glaubt.
Warum Halloween-Führung so bequem ist
Diese Maskerade ist kein Zufall. Aber sie ist bequem, risikoarm und vermeidet Verantwortung. Ich kenne Chefetagen, die eher an die nächste Beratung glauben als daran, sich mit sich selbst zu beschäftigen.
Einige Klassiker der Rollenverteilung:
- Der Phantom-Chef – schwebt über allem, entscheidet ungern und spät, wundert sich über fehlende Eigeninitiative.
- Der Zombie-Sales-Manager – nährt sich von vergangenen Erfolgen, körperlich anwesend, aber geistig schon lange weit weg.
- Der Berater-Geist – kann alles visualisieren, aber nichts verändern.
Schweigen statt Klartext
Alle überleben jede Veränderung. Nicht, weil sie gut ist, sondern weil niemand sie konfrontiert. Dazu bräuchte es etwas, das in vielen Betrieben fehlt: Vertrauen oder Hofnarren.
Und Vertrauen verschwindet genau in dem Moment, in dem Führung Angst verbreitet. „Wir sagen alles, aber meinen nichts.“, sagen die Meisten. Chefs fordern „ehrliches Feedback“, bekommen aber „höfliches Schweigen“. Wer im falschen Moment ehrlich ist, erlebt den Kürbiskopf-Effekt: Projekt weg. Verantwortung weg. Zukunft weg.
Führung ohne Maske
Vertrauen schafft Handlungssicherheit, sie ist die wichtigste Währung in Zeiten, in denen niemand weiss, was nächste Woche passiert. Das bedeutet: weniger Kontrolle, mehr Klarheit, mehr Sinnkommunikation. Hoffnung und Vertrauen sind keine Schönwetter Konzepte. Sie sind die logische Antwort auf Erschöpfung und Misstrauen. Führung ohne Maske bedeutet, sich ehrlich zu zeigen auch mit Zweifeln und Ängsten. Zu sagen: „Ich weiss es nicht.“ Was sonst noch dabei hilft:
- Sag, was ist.
- Erklär, warum du entscheidest.
- Lass andere verstehen und mitwachsen.
- Bleib berechenbar.
- Zeig, dass du Mensch bist.
Einfach ist das nicht — denn es kostet Mut, Eitelkeit zu opfern. Aber genau dieser Mut unterscheidet Manager von Hoffnungsträgern.
Hoffnung braucht Haltung – und Humor
Führung ist ein Hochseilakt. Kulturwandel beginnt nicht mit einem Leitbild, sondern mit Verhalten. Mit einem Chef, der sagt: „Ich hab mich geirrt.“ Mit einem Meeting, in dem Sinn wichtiger ist als Zahlen. Mit einem Lächeln, das echt ist — und nicht in der Kantine liegen bleibt.
Humor ist dabei das meistunterschätzte Führungsinstrument. Er entschärft Hierarchien, öffnet Kommunikation und schafft Nähe. Lachen im Unternehmen ist kein Zeichen von Leichtigkeit, sondern von Vertrauen. Und Vertrauen ist die Basis jeder echten Führung.
Die Zukunft gehört den Glaubwürdigen
Wir stehen an einem Wendepunkt. Mitarbeitende erkennen Inszenierungen sofort. Sie folgen keinen Helden mehr — sondern Menschen, denen sie vertrauen können. Menschen, an die sie glauben.
Vertrauen ist das wahre Controlling: Ich vertraue — oder nicht.