Ein Flaschenhals nach dem Anderen

Die meisten Organisationen arbeiten nicht zu langsam. Sie arbeiten am falschen Engpass.

Engpässe gehören zum Alltag jeder Organisation. Ressourcen sind begrenzt, Aufmerksamkeit ist begrenzt, Zeit ist begrenzt. Meist erkennen wir nach einiger Zeit sogar, wo der grösste Flaschenhals liegt. Und intuitiv wissen wir: Genau dort müssten wir ansetzen. Und trotzdem tun wir es selten konsequent.

Führungskräfte verteilen ihre Energie auf mehrere Initiativen gleichzeitig. Es entstehen Teilfortschritte, aber kaum Durchbrüche. Aktivität wird mit Fortschritt verwechselt. Doch in jedem System gibt es immer eine Einschränkung, die alles andere dominiert. Wer sich nicht darauf konzentriert, arbeitet bestenfalls ineffizient.

Theory of Constraints

Die «Theory of Constraints» wurde von Eliyahu M. Goldratt entwickelt und durch seinen Roman The Goal bekannt gemacht.

Die Idee ist radikal einfach:

  1. Identifizieren Sie den Engpass.
  2. Nutzen Sie ihn maximal aus – ohne ihn zu überlasten.
  3. Ordnen Sie alles andere diesem Engpass unter.
  4. Erhöhen Sie seine Kapazität, falls nötig.

Beginnen Sie von vorn, sobald ein neuer Engpass entsteht.

Der zentrale Gedanke: Lokale Optimierung ist oft Verschwendung. Der Durchsatz des Gesamtsystems ist entscheidend.

In der Praxis

Stellen Sie sich vor, Software-Deployments sind in Ihrer Organisation langsam und risikobehaftet. Nach früheren Vorfällen wurden zusätzliche manuelle Prüfungen eingeführt. Die Folge: Releases finden nur noch alle zwei Wochen statt.

  • Das Applikationsteam sieht die Plattform als Problem.
  • Das Plattformteam sieht die Applikation als Problem.

Doch die eigentliche Einschränkung ist klar: die Deployment-Kadenz.

Sie entscheiden sich, einige Ihrer besten Ingenieurinnen und Ingenieure von neuen Produktfeatures abzuziehen und stattdessen die Deployment-Pipeline zu verbessern. Auf den ersten Blick wirkt das kontraintuitiv. Engpässe zu beheben fühlt sich oft wie „unsexy Infrastrukturarbeit“ an. In Wahrheit ist es strategische Arbeit.

Sie erhöhen die Testabdeckung, erkennen Fehler früher, parallelisieren Pipelines und reduzieren die Laufzeit auf Minuten. Deployments werden zu einem Knopfdruck. Der Durchsatz steigt nicht, weil mehr Features geliefert werden. Er steigt, weil das System schneller fliesst.

Geschwindigkeit und Bedachtsamkeit

Jetzt ist es an Ihnen, diese Arbeit zu würdigen. Zu zeigen, wie wichtig Ihnen Verbesserungen am Gesamtprozess sind. Gute IT muss gleichzeitig schnell liefern und langsam entscheiden. Durchsatz braucht Geschwindigkeit. Architektur braucht Bedachtsamkeit. Wer beides verwechselt, erzeugt den nächsten Engpass.

Und was nun ….

Nehmen Sie sich fünf Minuten Zeit. Schreiben Sie für jede Ebene Ihrer Organisation auf:

  • Wo liegt aktuell der grösste Engpass?
  • Was tun Sie konkret, um ihn zu beseitigen?
  • Ordnen Sie wirklich alles andere diesem Ziel unter?

Vielleicht ist auf Teamebene Ihre Testsuite langsam und unzuverlässig. Eine einzelne Person trägt die Verantwortung «nebenbei». Wahrscheinlich wäre die wirksamste Massnahme, dass alle gemeinsam daran arbeiten – für einen klar definierten Zeitraum.

Wenn alles gleichzeitig wichtig ist, ist der Engpass unsichtbar. Was ist Ihr grösster Engpass? Und könnten Sie morgen beginnen, ihn zu beheben? Engpässe sind selten technisch – sie sind meist eine Priorisierungsentscheidung. Weitergedacht bedeutet das: Wenn Sie mehrere strategische Initiativen gleichzeitig verfolgen, haben Sie Ihren Engpass nicht verstanden.

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